Schweißrauch: Gefahren, Grenzwerte und wie Sie sich schützen

Schweißer bei der Arbeit mit sichtbarem Schweißrauch

Beim Schweißen entsteht ein feiner Rauch aus verdampftem und wieder kondensiertem Metall. Er sieht harmlos aus, gehört aber zu den unterschätzten Gefahren in der Werkstatt. Seit 2017 gilt Schweißrauch offiziell als krebserzeugend. Wer regelmäßig schweißt, sollte deshalb genauso selbstverständlich für saubere Luft sorgen wie für den Schutz von Augen und Haut mit einem Schweißhelm.

Warum Schweißrauch so gefährlich ist

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hat Schweißrauche 2017 in die Gruppe 1 eingestuft, also als krebserzeugend für den Menschen. Damit stehen sie auf einer Stufe mit Asbest oder Tabakrauch. Grundlage war eine breite Auswertung von Studien, die ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko sowohl beim Schweißen von legiertem Edelstahl als auch von unlegiertem Baustahl zeigen.

Das Tückische daran: Die Partikel im Schweißrauch sind extrem klein. Sie gelangen bis tief in die Lunge und werden über Jahre kaum bemerkt. Erst nach langer Belastung zeigen sich die Folgen. Die deutsche Regelsetzung hat darauf reagiert und die Anforderungen in der TRGS 528 verschärft.

Was genau steckt im Schweißrauch?

Die Zusammensetzung hängt stark vom Werkstoff, dem Zusatzwerkstoff und dem Schweißverfahren ab. Diese Stoffe sind besonders relevant:

StoffHerkunftWirkung
Chrom(VI)-VerbindungenEdelstahl, hochlegierte Stählekrebserzeugend, reizend für die Atemwege
NickeloxideEdelstahl, Nickelbasis-Legierungenkrebserzeugend, kann Allergien auslösen
Manganoxidein praktisch jedem Baustahl enthaltenneurotoxisch, mit Parkinson-ähnlichen Symptomen in Verbindung gebracht
Zinkoxidverzinkte Werkstückelöst Metalldampffieber aus (grippeähnliche Symptome)

Vor allem die Kombination aus krebserzeugenden und neurotoxischen Bestandteilen macht deutlich, warum reines Weglüften nicht ausreicht.

Welche Grenzwerte am Arbeitsplatz gelten

Für die Belastung am Arbeitsplatz gelten Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW) nach TRGS 900. Mit der überarbeiteten TRGS 528 wurde besonders der Wert für Mangan deutlich abgesenkt: Er liegt bei 0,02 mg/m³ in der alveolengängigen Fraktion, also für die feinsten, bis in die Lungenbläschen vordringenden Partikel. Für krebserzeugende Stoffe wie Chrom(VI) gilt zusätzlich das Minimierungsgebot: Die Belastung ist so weit wie technisch möglich zu senken, unabhängig vom konkreten Zahlenwert.

Für die Praxis heißt das: Bei Edelstahl, verzinkten Teilen oder Dauerbetrieb sind diese Werte ohne technische Absaugung kaum einzuhalten.

So schützen Sie sich: das STOP-Prinzip

Die TRGS 528 folgt einer festen Rangfolge, die auch für die eigene Werkstatt sinnvoll ist:

  1. Substitution: Wo möglich, das emissionsärmere Verfahren oder den passenden Zusatzwerkstoff wählen. WIG-Schweißen erzeugt zum Beispiel deutlich weniger Rauch als das Schweißen mit umhüllten Stabelektroden.
  2. Technische Maßnahmen: Rauch an der Quelle erfassen, etwa mit einem Absaugbrenner oder einer mobilen Absaughaube dicht an der Naht.
  3. Organisatorische Maßnahmen: Arbeitszeiten begrenzen, den Kopf aus der Rauchfahne halten, für ausreichende Raumlüftung sorgen.
  4. Persönliche Schutzausrüstung: Atemschutz als letzte Stufe, wenn die anderen Maßnahmen nicht ausreichen.

Absaugung an der Quelle

Am wirksamsten ist es, den Rauch dort abzusaugen, wo er entsteht. Mobile Absauggeräte lassen sich mit einer Haube direkt an der Schweißstelle positionieren und filtern die Partikel heraus, bevor sie in die Atemluft gelangen. In festen Arbeitsplätzen übernehmen das stationäre Anlagen.

Persönlicher Atemschutz

Reicht die Absaugung nicht aus oder arbeiten Sie mobil, kommt Atemschutz dazu. Für Partikel eignen sich Masken der Klasse FFP2, bei krebserzeugenden Stoffen wie Chrom(VI) besser FFP3. Deutlich komfortabler bei längeren Arbeiten ist ein Schweißhelm mit Frischluftzufuhr, der dauerhaft gefilterte Luft unter die Maske bläst. Weitere Ausrüstung wie Schweißerhandschuhe schützt zusätzlich vor Funken und Hitze.

Besonders kritisch: Edelstahl, verzinkt und Aluminium

Nicht jeder Werkstoff ist gleich belastend. Bei Edelstahl entstehen die krebserzeugenden Chrom(VI)- und Nickelverbindungen, hier ist Absaugung Pflicht. Bei verzinkten Teilen droht Metalldampffieber durch Zinkoxid, erkennbar an grippeähnlichen Symptomen einige Stunden nach der Arbeit. Und bei Aluminium entsteht viel feiner Rauch, der die Atemwege reizt. In allen drei Fällen gilt: lieber eine Schutzstufe mehr als zu wenig.

Wer diese Grundregeln beachtet, reduziert das Gesundheitsrisiko erheblich, ohne dass die Arbeit spürbar langsamer wird. Einen Überblick über die passende Ausrüstung von Kopf bis Fuß finden Sie in unserem Ratgeber zur Schutzausrüstung beim Schweißen.

Empfehlungen im Vergleich

Produkt Wichtigste Eigenschaften Preis
#1 Empfehlung Schweißrauch-Absauggerät (mobil)
  • Erfasst den Rauch direkt an der Naht
  • Für Werkstatt und wechselnde Arbeitsplätze
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#2 Atemschutzmaske FFP3
  • Filtert auch krebserzeugende Feinstpartikel
  • Für kurze Arbeiten ohne Absaugung
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#3 ANDELI Schweißhelm mit Frischluftzufuhr
  • Gebläseunterstützte, gefilterte Atemluft
  • Angenehm bei längeren Schweißarbeiten
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Häufige Fragen

Ist Schweißrauch wirklich krebserregend?
Ja. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hat Schweißrauch 2017 in die höchste Kategorie eingestuft: Gruppe 1, also krebserzeugend für den Menschen. Ausschlaggebend sind vor allem Chrom(VI)-Verbindungen und Nickeloxide, wie sie beim Schweißen von Edelstahl entstehen, sowie das erhöhte Lungenkrebsrisiko, das Studien auch bei Baustahl zeigen.
Ab wann muss ich Schweißrauch absaugen?
Die TRGS 528 gibt eine klare Rangfolge vor: Wo Schweißrauch entsteht, ist er möglichst an der Entstehungsstelle zu erfassen. Eine Absaugung an der Quelle ist bei regelmäßigen Arbeiten in geschlossenen Räumen praktisch immer erforderlich. Freie Lüftung allein reicht meist nicht aus, um die Grenzwerte einzuhalten.
Welcher Atemschutz hilft gegen Schweißrauch?
Gegen Partikel eignen sich Masken der Klasse FFP2, bei krebserzeugenden Stoffen wie Chrom(VI) besser FFP3. Für längere oder stark belastete Arbeiten sind gebläseunterstützte Systeme (etwa ein Schweißhelm mit Frischluftzufuhr) angenehmer und sicherer, weil sie dauerhaft gefilterte Luft liefern.
Ist Schweißen an der frischen Luft unbedenklich?
Im Freien verteilt sich der Rauch schneller, das Risiko sinkt. Ganz weg ist es aber nicht: Wer über der Naht steht, atmet den aufsteigenden Rauch trotzdem ein. Kopf seitlich aus der Rauchfahne halten und bei verzinkten oder legierten Werkstoffen zusätzlich Atemschutz tragen.
Was ist die Metalldampffieber-Gefahr beim Schweißen?
Beim Schweißen verzinkter Teile entsteht Zinkoxid. Das kann einige Stunden nach der Arbeit grippeähnliche Symptome auslösen, das sogenannte Metalldampffieber (Zinkfieber). Es klingt meist von selbst ab, ist aber ein deutliches Warnsignal für zu hohe Rauchbelastung.

Quellen