Schutzgas zum Schweißen: Welches Gas für MIG, MAG und WIG?

Schutzgasflaschen mit Druckminderer neben einem Schweißgerät

Ohne Schutzgas kein sauberer Lichtbogen: Beim MIG-, MAG- und WIG-Schweißen schirmt ein Gas das flüssige Schmelzbad gegen die Umgebungsluft ab. Welches Gas dabei richtig ist, hängt vom Verfahren und vom Werkstoff ab. Wer das falsche Gas wählt, bekommt Poren, Spritzer oder eine oxidierte Naht. Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten Gase und wofür sie gedacht sind.

Warum überhaupt Schutzgas?

Sobald Metall schmilzt, reagiert es sofort mit dem Sauerstoff und Stickstoff der Luft. Das Ergebnis sind Oxide, Poren und eine poröse, schwache Schweißnaht. Das Schutzgas legt sich wie eine Glocke über das Schmelzbad und hält die Luft fern, solange das Metall heiß ist. Genau deshalb heißen diese Verfahren auch Schutzgasschweißen.

Inertgas oder Aktivgas?

Grundsätzlich werden zwei Arten von Schutzgasen unterschieden, und diese Einteilung entscheidet über das Verfahren:

  • Inertgase reagieren nicht mit dem Schmelzbad, sie schirmen es nur ab. Typischer Vertreter ist Argon. Inertgase kommen beim MIG-Schweißen und beim WIG-Schweißen zum Einsatz. Das I in MIG steht genau dafür: Metall-Inertgas.
  • Aktivgase greifen bewusst in den Lichtbogen ein und verändern Einbrand und Tropfenübergang. Dazu zählen CO2 und argonbasierte Mischgase. Sie werden beim MAG-Schweißen von Stahl verwendet. Das A steht hier für aktiv.

Welches Gas für welches Verfahren?

Die folgende Übersicht zeigt die gängigen Kombinationen aus Verfahren, Werkstoff und passendem Schutzgas:

VerfahrenWerkstoffPassendes Schutzgas
MAGStahl (un- und niedriglegiert)Mischgas M21 (82 % Argon, 18 % CO2) oder reines CO2
MAGEdelstahlargonreiches Mischgas mit geringem CO2- oder O2-Anteil
MIGAluminium, Kupfer, Buntmetallereines Argon, bei dicken Teilen Argon-Helium
WIGStahl und Edelstahlreines Argon
WIGAluminiumreines Argon (mit Wechselstrom)

Sind Sie unsicher, welches Verfahren überhaupt zu Ihrem Vorhaben passt, hilft unser Schweißverfahren-Finder mit einer schnellen Empfehlung.

Die wichtigsten Gase im Überblick

Argon ist das Arbeitspferd unter den Schutzgasen. Es ionisiert gut, sorgt für einen ruhigen, stabilen Lichtbogen und ist beim WIG-Schweißen sowie beim MIG-Schweißen von Aluminium die erste Wahl.

Kohlendioxid (CO2) ist ein aktives Gas und wird beim MAG-Schweißen von Stahl eingesetzt. Reines CO2 ist günstig und bringt einen tiefen Einbrand, erzeugt aber mehr Spritzer und einen unruhigeren Lichtbogen.

Mischgas M21 verbindet die Vorteile beider Welten. Die typische Mischung aus 82 Prozent Argon und 18 Prozent CO2 liefert einen stabilen Lichtbogen mit wenig Spritzern und ist der Standard für Baustahl im MAG-Verfahren.

Helium wird gelegentlich als Beimischung zu Argon genutzt. Es erhöht die Wärmeeinbringung und eignet sich für dicke Aluminium- oder Kupferwerkstücke.

Die Kennzeichnung nach ISO 14175

Damit klar ist, was in der Flasche steckt, sind Schutzgase nach der Norm DIN EN ISO 14175 in Gruppen eingeteilt. Ein paar Beispiele, die Ihnen im Handel begegnen:

  • I1 steht für reines Argon (Inertgas).
  • C1 steht für reines Kohlendioxid (Aktivgas).
  • M21-ArC-18 bezeichnet das oben genannte Mischgas mit 18 Prozent CO2 in Argon.

Wer die Kennzeichnung kennt, findet die passende Flasche unabhängig vom Markennamen des Anbieters.

Praxis-Tipps für die Werkstatt

Achten Sie auf einen passenden Gasdurchfluss: zu wenig Gas schützt die Naht nicht, zu viel verwirbelt Luft ins Schmelzbad. Als Faustregel gelten beim MIG/MAG etwa 10 bis 15 Liter pro Minute, beim WIG etwa 6 bis 10 Liter. Schützen Sie den Arbeitsplatz vor Zugluft, denn schon ein offenes Tor kann die Gasglocke wegblasen. Und stellen Sie das Gerät auf das verwendete Gas ein, weil sich die ideale Spannung je nach Gas unterscheidet. Welche Stromstärke zur Materialdicke passt, ermittelt der Schweißstrom-Rechner.

Eine Übersicht über die passenden Geräte für jedes Verfahren finden Sie in unserem Ratgeber zu Schweißgeräten.

Empfehlungen im Vergleich

Produkt Wichtigste Eigenschaften Preis
#1 Empfehlung Druckminderer für Schutzgas
  • Regelt den Gasdurchfluss am Flaschenventil
  • Für Argon und CO2/Mischgas geeignet
shopping_cart Ansehen
#2 Schweißdraht für MAG (SG2)
  • Passend zu Mischgas M21
  • Für Stahl im MIG/MAG-Verfahren
shopping_cart Ansehen
#3 WIG-Wolframelektroden-Set
  • Für das WIG-Schweißen mit Argon
  • Verschiedene Durchmesser im Set
shopping_cart Ansehen

Anzeige · Affiliate-Links. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen. Preise & Verfügbarkeit können abweichen.

Häufige Fragen

Welches Schutzgas für MAG-Schweißen von Stahl?
Für unlegierten und niedriglegierten Stahl ist Mischgas nach Gruppe M21 der Standard, meist 82 Prozent Argon und 18 Prozent CO2 (Bezeichnung M21-ArC-18). Es liefert einen stabilen Lichtbogen, gute Einbrandeigenschaften und wenig Spritzer. Reines CO2 (Gruppe C1) ist günstiger, spritzt aber mehr.
Welches Gas nimmt man beim WIG-Schweißen?
Beim WIG-Schweißen wird immer mit Inertgas gearbeitet, in der Regel reinem Argon. Es schützt die Wolframelektrode und das Schmelzbad zuverlässig und sorgt für einen ruhigen Lichtbogen. Für dickere Aluminium- oder Kupferteile kann ein Argon-Helium-Gemisch die Wärmeeinbringung verbessern.
Was ist der Unterschied zwischen Inertgas und Aktivgas?
Inertgase wie Argon reagieren nicht mit dem Schmelzbad, sie schirmen es nur ab. Sie kommen beim MIG- und WIG-Schweißen zum Einsatz. Aktivgase wie CO2 oder argonbasierte Mischgase greifen bewusst in den Lichtbogen ein und werden beim MAG-Schweißen von Stahl verwendet.
Kann ich mit einem Gasgemisch Aluminium schweißen?
Aluminium wird mit reinem Argon (MIG oder WIG) geschweißt, nicht mit CO2-haltigem Mischgas. CO2 würde die Naht oxidieren. Bei dickeren Aluminiumteilen hilft ein Argon-Helium-Gemisch, weil Helium die Wärme besser einbringt.
Wie viel Schutzgas brauche ich pro Stunde?
Als Faustregel liegen MIG und MAG bei etwa 10 bis 15 Litern pro Minute, WIG bei etwa 6 bis 10 Litern, abhängig von Düse, Stromstärke und Zugluft. Bei 12 Litern pro Minute sind das rund 0,72 Kubikmeter je Stunde Lichtbogenzeit. Wie sich das auf die Kosten auswirkt, zeigt unser [Schweißkosten-Rechner](/schweisskosten-rechner/).

Quellen